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Argentina & Chile
08.01.2010
Ist halt ein wenig Straightline-lastig...
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We’re off (to Argentina)
Endlich ist es so weit. Ein kleiner Teil der Straightline Crew ist auf der Flucht vor den schwülen Tagen in Deutschland oder noch viel wichtiger auf der Suche nach frischem Powder im Winter der südlichen Hemisphäre. Etwas verkatert und ohne Schlaf geht es direkt von der Videopremiere von „All or Nothing“ zum Flughafen. Nach der obligatorischen Diskussion mit dem Sicherheitspersonal, ob der ABS-Airbag nun mit ins Flugzeug darf oder nicht, geht es schließlich für Peter, Thomas und mich los. Während das Bodenpersonal in München scheinbar noch nichts von Straightline Production gehört hat, bekommen wir auf dem Flug von München nach Buenos Aires sofort ein Upgrade in die Business Class.
Buenos Aires
Obwohl wir viel Gepäck angemeldet haben, macht der bestellte Taxler ein erstauntes Gesicht, als er sieht, dass zu jeder Person ein Boardbag und eine große Reisetasche gehören. Trotzdem passt alles rein und so geht es in gebückter Haltung (unter den Bags) erst ins Hotel und von dort aus direkt in die nächste Parilla um den ersten Brocken Argentinisches Rind zu verschlingen! Am nächsten Morgen erwarten uns statt frostiger Temperaturen freundliches Wetter und Sonnenschein. Ein Blick ins Internet verheißt nichts gutes, den auch Schnee ist bisher Mangelware und so entschließen wir uns anstatt arbeitslos in den Bergen zu sitzen, eine Woche bei Hubi, einem Freund von Thomas zu verbringen, der seit einem Semester in BsAs studiert und uns die Stadt zeigt. In der Woche schließen wir nicht nur ein komplette Rindfleischstudium (von B wie bife der chorizo bis O wie ojos de bife), sondern auch ein Nebenstudium in argentinischen Nachspeisen (von F wie flan con dulce bis P wie panqueque con dulce de leche) ab. In der Freizeit erkunden wir die Stadt bei Tag und Nacht, checken die chicas ab, informieren uns auf einer Messe über die argentinische Landwirtschaft (wo kommt das Rindfleisch her) und belegen einen Einsteigerkurs im Polo. So ist die Woche schnell rum und am Freitag steigen wir in den Andesmar Nachtbus nach Las Leñas.
Las Leñas, die erste!
Am nächsten Morgen tauchen in der Ferne die ersten schneebedeckten Berge auf und kurz später steigen wir in Las Leñas aus. Schnell das Apartment bezogen und ab auf die Bretter. Auch wenn wenig Schnee liegt und die Temperaturen im Tal nicht gerade winterlich sind, können wir gleich am ersten Tag die ersten Lines in den Pulverschnee ziehen. Eine stabile Schneedecke und bestes Wetter ermöglichen es uns gleich in der ersten Woche die meisten Gipfel der Umgebung zu erklimmen. Ein Glück, das anderen Las Leñas-Besuchern häufig mehrere Wochen vorenthalten bleibt, weil der dazu nötige Lift – Marte – nicht läuft. Zwischendurch beglückt uns der erste Neuschnee und die ersten Varianten werden wieder „fahrbar“. Fast jeder Tag endet mit dem Einkehrschwung im „Innsbruck“, wo der Tag mit einem oder mehreren Quilmes abgeschlossen wird. Langsam tasten wir uns in immer steileres Geländer vor und nachdem außer in Las Leñas weiterhin kein Schnee liegt, verlängern wir den Aufenthalt um zwei Wochen. Die folgende Woche beschert wechselndes Wetter und so erklimmen wir einerseits weitere Gipfel, müssen aber auch wegen eines Schneesturms einige off-Tage in Kauf nehmen. Nach zwei langen Schneetagen, an denen wir uns mit Schafkopfen die Zeit vertreiben, weil keine Lifte laufen und das Tal vom Donnern der Sprengladungen des Pistendienstes erzittert, scheuen wir keine Mühe, um die erste Line in den Schnee zu legen und helfen kurzer Hand den Liftlern beim „Ausgraben“ des Liftes. Der Aufwand lohnt sich und wir ziehen die first line in den einzigen zugänglichen Hang – gefolgt von einer Hundertschaft mehr oder weniger talentierter, selbsterkorener Freerider. Spätestens jetzt werden wir vom gesamten Personal freundlich gegrüßt! Nachdem der Marte nach wie vor geschlossen ist, setzen wir alles auf nächste Woche um noch ein paar Shots zu drehen. Am Sonntag stößt Bene zu uns - sein Gepäck hängt noch in Frankfurt fest. Abwarten.
Las Leñas, die zweite!
Benes Gepäck kommt erst mit vier Tagen Verzögerung in Las Leñas an. Der Wettergott meint es ebenfalls nicht gut mit uns. Erst beschert er uns keinen Schnee, dann bringt er so viel Schnee, dass alles zum Erliegen kommt. Zwischendurch regnet es. Wieder einmal hört man tage- und nächtelang die Lawinensprengungen oben am Berg. Und wieder einmal sind wir die ersten, die ihre Lines in die Hänge neben den gerade geöffneten Liften ziehen. Dabei lassen wir trotz allem Vorsicht walten, denn aus einigen Rinnen sind grosse Lawinen abgegangen. Eine davon hat ausgerechnet den Marte erwischt, der für grössere Expeditionen so dringend nötig ist. Die Reparatur ist zwar schon im Gange, aber keiner weiss, wie lange sie dauern wird. Als schliesslich alle Hänge verspurt sind beschliessen wir unsere Sachen zu packen und weiter zu ziehen. Wenig später sitzen wir im Bus.
Caviahue [Kabiachuä]
Nach circa 26 Stunden Busfahrt kommen wir voller Hoffnung fast nicht in Caviahue an, weil der Bus im Schneegestöbber stecken bleibt. Mit Ketten und etwas Verspätung klappt es dann doch. Schade ist nur, dass uns der Himmel auch hier kein Glück beschert. Aus dem Schnee wurde Regen, aus einer leichten Brise und Sturm. Das Skigebiet hat geschlossen und der Meter Neuschnee schmilzt so schnell dahin, dass man fast schon zuschauen kann. Sämtliche Strassen verwandeln sich in reissende Flüsse und der Wetterbericht sagt eine grossräumige Warmwetterperiode voraus. Aus diesem Anlass ist dieses Kapitel bereits nach einem kurzen Ausflug auf den örtlichen Vulkan am nächsten Tag für uns zu Ende. Wir beschliessen uns zur Flucht in den Süden und weil es dort erst nächste Woche schneien soll, entscheiden wir uns für ein eher aussergewöhnliches Fahrzeug.
Caviahue -> Puerto Montt -> Puerto Natales -> Ushuaia
Da sich das Südamerikanische Strassennetz auf einige wenige Hauptverbindungen beschränkt, dauert die Fahrt bis an die chilenische Grenze anderthalb Tage. Dabei legen wir die Etappe über die Anden ausserordentlich schnell zurück. Der Busfahrer scheint ein ausrangierter Rennfahrer zu sein. An der Grenze werden wir fast verhaftet, weil Peter einen Apfel im Rucksack vergessen hat, aber man lässt Gnade walten. Erschöpft steigen wir in Puerto Montt auf eine Fähre. Die Fahrt durch die patagonischen Kanäle dauert vier Tage. Einige Delfine und Robben zeigen sich. Als es am zweiten Tag auf offene See geht, färben sich einige Gesichter blasgrün, obwohl die roaring fourties und eigentlich eher verschonen. Am dritten Tag schneit es immer wieder und als die Landschaft bergiger wird, sehen wir, dass die Schneegrenze knapp über dem Meeresspiegel liegt. Das Herz fängt an zu klopfen. Als wir am nächsten Tag in Puerto Natales ankommen verschwenden wir keine Zeit sondern machen uns sofort auf die Weiterreise. Die letzten Kilometer bis Ushuaia brauchen noch mal anderthalb Tage. Zum einen muss die Magelanstrasse und zum anderen die Grenze überquert werden. Beides geht nur tagsüber.
Ushuaia, el fin del mundo.
Das Ende der Welt erfreut uns mit interesanten Bergen. Zwar sind diese nur knapp 1000 Meter hoch, aber da sie fast auf Meereshöhe anfangen bleibt viel Platz zum Spielen. Leider hat auch hier das warme Wetter zugeschlagen. Der schöne Schnee der letzten Tage liegt fast überall unter einer Harschschicht verborgen. Ein paar schöne Turns bleiben uns trotzdem. Zu wenig ausgelastet beschliessen wir uns am nächsten Tag in ein Seitental abzufahren. Spätestens jetzt merken wir, am Ende der Welt zu sein. Hier hinten gibt es wirklich nichts (ausser ein paar wilder Pferde) und der Hike zurück zur Talstation dauert selbst mit Splitboard und Fellen fünf Stunden. Am Laufen Spass erklimmen wir gefunden an den folgenden Tagen noch weitere Berge, bis es schliesslich zu warm wird. Peter und Bene starten einen letzten Versuch und sind schon auf dem Weg zurück nach las leñas. Thomas und ich haben den Winter abgeschrieben. Wir werden uns das Land ansehen und auf den Winter daheim setzen.
Bariloche
Tja, so ist das. Unverhofft kommt oft. Nachdem wir eigentlich in Ushuaia mit dem Winter abgeschlossen haben, sind wir kreuz und quer durch das ganze Land gereist, haben viele schöne Orte besucht, beim Reisen das viele, jetzt auch noch unnütze Gepäck verflucht und den argentinischen Frühling genossen. Unser letzter Stop vor der Heimreise ist in Bariloche, wo sowohl im Winter, als auch im Sommer was los sein soll. Wie der Zufall es will schneit es genau vor unsere Ankunft noch ein mal. Motiviert steigen wir in den Bus zum Skigebiet, doch der Anblick ist eher ernüchternd. Erst ab halber Höhe ist überhaupt Schnee liegen geblieben. Unbeeindruckt fahren wir ganz rauf und steigen mit Fellen bis zum Gipfel auf. Der Ausblick über den See und die umliegenden Berge ist beeindruckend - und, viel wichtiger, in den Südhängen (Achtung: Umdenken, wir stehen Kopf!) liegt noch feinster Powder. Ab geht's! Tommi und ich geniessen die letzten beiden Schneetage des Trips und finden sogar Zeit für eine paar hübsche Shots. Danach hält dann auch hier der Frühling Einzug und wir satteln auf andere Sportarten um.
Richtung Heimat
Die letzte Busfahrt nach Buenos Aires legen wir über Nacht in der Primera Classe, das heisst komplett flach liegend zurück. Entspannt kommen wir an, treffen die anderen beiden und ziehen uns jeder ein letztes 800g Steak rein. Ja, das Fleisch werden wir daheim vermissen. Eine kleine Tour durch die Stadt und ab zum Flughafen. Auch das Bodenpersonal in Buenos Aires hat noch nichts von Straightline gehört und so bleibt es beim Platz in der Economy Class. Was soll's: Die zwölf Stunden bis Frankfurt legen wir inzwischen auf einer Pobacke zurück!
Alles in allem war es ein sehr gelungener Trip, obwohl das Wetter uns den ein oder anderen Strich durch die Rechnung gezogen hat.
Aber heute ist nicht alle Tage,
wir kommen wieder, keine Frage!
Text. Julian Appel

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Gallery: Perfect Trip to Argentina and Chile
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